m  i  k  e          d  u  c  h  s  t  e  i  n
SAXOPHON-SERVICE                                                                                   Home
Übersicht Testberichte
                                                                                          Autor

 

Mundstück-Legende Santy Runyon

 
Santy Runyon starb am 4. April 2003, wenige Tage vor seinem 96. Geburtstag. Er war Musiker (Saxophon, Klarinette, Querflöte) Saxophonlehrer und Hersteller innovativer Mundstücke.

Santy wurde am  12. April 1909 als Clinton Runyon geboren. Bereits als Kind sammelte er erste musikalische Erfahrungen: Im Kino seines Vaters in Oklahoma spielte er bereits als 8jähriger Schlagzeug und machte Geräusche für die damaligen Stummfilme. Kurze Zeit später begann er Saxophon zu lernen. Als Siebzehnjähriger spielte er eine Zeitlang in der Band des damals noch unbekannten Jack Teagarden. Von 1931 bis 1942 war er in Chicago an dem berühmten Chicago Theatre als „principal woodwind“ beschäftigt. Hier hatte er bis zu 7 Shows am Tag zu spielen hatte. Die Nightshows wurden vom Rundfunk in ganz Amerika übertragen und sein Name erlangte landesweite Bekanntheit. Samstag nacht spielte er regelmäßig im „Coliseum“, einem berühmt-berüchtigten Club, der Al Capone gehörte.

runyon Immer mehr Saxophonisten wollten bei Santy Unterricht haben. Nach einiger Zeit war die Nachfrage so groß, daß er den Theater-Job aufgab und eine private Musikschule eröffnete, das „Runyon Studio“, in dem er viele Saxophonisten zu professionellen Musikern ausbildete. Sein Studio stellte Schul-Big-Bands zusammen, aus denen viele professionelle Orchesterleiter ihre Musiker rekrutierten. Viele weltberühmte Jazzsaxophonisten nahmen in diesen Jahren Unterricht bei Santy Runyon: Charlie Parker, Chu Berry, Sonny Stitt, Lee Konitz, Paul Desmond, Lee Konitz, Jerry Coker und viele mehr. Ehemalige Runyon-Schüler spielten bei Benny Goodman, Count Basie, Cab Calloway und Duke Ellington.

1941 stellte Santy Runyon  sein erstes Mundstück her. Er hatte schon in jungen Jahren experimentiert und mit modelliertem Kaugummi die damaligen, großkammerigen Mundstücke modifiziert. Er bemerkte, daß die Mundstücke hierdurch lauter wurden.  Das erste Mundstück war für  Bruce Bronson, dem Baritonsaxophonisten der Tommy Dorsey Band. Die Dorsey Band spielte gerade in einem Hotel in Chicago, und Runyon sagte, dies sei das erste mal gewesen, daß jeder hören konnte, was der Baritonsaxophonist spielte. Kurz darauf hatte er über 100 Bestellungen und er kam nicht umhin, seine eigene Mundstückmanufaktur aufzubauen: Runyon Products. 1960 verließ er Chicago,  um sich wieder im Süden niederzulassen.

Woher kommt der Name Santy: Von „Santy Claus“ (Nikolaus), da er schon immer seinen Freunden gerne Geschenke machte. Durch seine Gigs hatte er bereits als junger Mann mehr Geld zu Verfügung als viele seiner Freunde, die er beschenkte. Später, während der großen Wirschaftsdepression, hatte er einen gut bezahlten Job (150 $ pro Woche) am Chicagoer Theater. In dieser Zeit versorgte er mehrfach befreundete Musiker mit einem seiner Saxophone, damit sie damit ihren Lebensunterhalt verdienen konnten. Etwas von dieser Freigiebigkeit steckt auch in seinem Firmenkonzept: Santys Ziel war immer kompromisslos höchste  Qualität, aber zu einem Preis, den sich jeder Musiker leisten können sollte.

runyonUm 1980 drang der Ruf der Runyon Mundstücke auch nach Deutschland. Besonderes Aufsehen erregte damals ein Mundstückmodell mit einer Art zweitem Blatt: In der Kammer des Mundstücks war eine blatt-ähnlich geformte Membran befestigt, die – durch  die Schwingung des Blatts angeregt – mitschwingen  und so die akustische Energie verdoppeln sollte. Runyon nannte das Mundstückmodell nach dieser Membran „The Spoiler“. Damals war die Membran fester Bestandteil des Mundstücks, heute kann ein passender „Spoiler“ in alle Runyon-Mundstücke eingesetzt und wieder herausgenommen werden.  

Die Firma Runyon Products arbeitet auch nach Santy´s Tod weiter. Sie bietet eine große Fülle von Modellreihen in Metall, Kautschuk und zum Teil schrill buntem Kunststoff. Auch ungewöhnliche Modelle wie spezielle Mundstücke für das C-Melody-Sax und großkammerige Klassikmundstücke im 20er-Jahre-Stil („Modell 22“) sind im Programm. Weit verbreitet sind Santy Runyons „palm key risers“: Gumminuppel, die über die Griffteile der Klappen für Hoch-D bis Hoch-F gesteckt werden und so die Grifflage verbessern. 


Weitere Info: /www.runyonproducts.com


                                   Klaus Dapper


Home                         Autor                           Übersicht Testberichte

copyright  © 2005 by Klaus Dapper , Düsseldorf

Veröffentlichte Beiträge und Bilder sind urheberrechtlich geschützt .
Nachdruck, Vervielfältigung oder Übersetzung nur mit vorheriger Genehmigung des Autors.
All rights reserved. No part of this publication may be reproduced or transmitted in any form or by any means.

Erstveröffentlichung in  sonic - wood & brass


copyright © layout , 2006 by mike duchstein , berlin