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Querflöte Azumi "AZ-CE"

Ein neuer Name den man sich merken muss.

AzumiDer fremde Name AZUMI führt uns zu der japanischen Stadt Azumino, in der die Flötenbau-Legende Shuichi Tanaka mit seiner Firma ALTUS seit 1990 beheimatet ist. In der Tat ist Tanaka für das Konzept dieser neuen Flöte verantwortlich. Auf Anregung eines großen deutsche Importeurs entwarf Tanaka diese Flöte speziell für den deutschen Markt. Sie wird also wirklich nur im Verkaufsbereich des deutschen Importeurs gehandelt und sie ist weder in USA noch sonst irgendwo erhältlich, auch nicht unter anderem Namen.
Hergestellt wird die Azumi-Flöte in einem Partner-Betrieb in Taiwan, mit dem Tanaka seit langer Zeit beste geschäftliche Kontakte pflegt. Von 1980-1990 lebte er sogar in Taiwan und half dort, den Querflötenbau bei der Firma K.H.S zu professionalisieren, dem Hersteller der Jupiter Querflöten. Daneben etablierte er dort seine eigene Firma Altus. Aufgrund der langjährigen engen Beziehungen konnte es ohne lange Anlaufschwierigkeiten gelingen, von Anfang an ein neues Instrument auf einem hohen Stand zu produzieren. Um Missverständnissen wegen der Nähe zu dem Namen Jupiter vorzubeugen: Es handelt sich nicht um eine modifizierte Jupiter-Flöte, sondern um ein völlig eigenständiges Instrument mit einer neuen Skala und eigenen Eigenschaften.         

Das Instrument

Das Modell „AZ-CE“ mit der Serien-Nr.003441 ist versilbert und verfügt über eine Vollsilber-Mundplatte. Sie entspricht der hierzulande üblichen Standard-Beklappung: Deckelklappen, E-Mechanik, offset-G, C-Fuß. Daneben gibt es nur noch die entsprechende  Ringklappen-Ausführung „AZ-CRE“.
Die Mundplatte und das Mundloch der Azumi „AZ-CE“ machen einen eher konservativen Eindruck. Die Mundplatte ist über die gesamte Fläche leicht einwärts gewölbt. Das Mundloch hat die übliche Form eines abgerundeten Rechtecks mit den Maßen 12,0 mm x 10,5 mm. Auf das seitliche Anschneiden der Mundlochflanken wurde verzichtet. Auch innen ist der Mundlochkamin nicht - oder nicht sichtbar - unterschnitten.
Die Hülse der Steckverbindung am Hauptstück gilt immer als die Visitenkarte einer Flöte. Sie trägt eine schlichte Maschinen-Gravur AZUMI FLUTE FL-CE. FL bedeutet Flute, C steht für C-Fuß und E für E-Mechanik. Trotz der anders lautenden Gravur wird das Instrument unter der Bezeichnung „AZ-CE“ gehandelt. Die Serien-Nummer findet sich auf der kurzen Säulchen-Schiene am Fuß der Trillerklappen und auf der langen Säulchen-Schiene findet sich die Herkunftsangabe „Taiwan“.
Die Schallröhre und das gesamte Klappenwerk sehen makellos aus; allerdings brauchen heute die meisten Schülerflöten in diesem Punkt den Vergleich mit teuren Profi-Instrumenten nicht zu scheuen.
Zur Einstellung der Klappenkoppelung hat die Flöte die üblichen fünf Einstellschrauben.
Die Achse der Gis-Klappe ist ein „Stockwerk“ unter der Hauptachse platziert, also in-line.
Die Achse am Fußstück wird von drei Achsböckchen getragen. Dies entspricht den Gepflogenheiten vieler japanischer Mid-price-Instrumente; in den Händen von Anfängern wäre die Bauform mit vier Böckchen sicherer. Erfreulicherweise sind alle Klappenanschläge aus Filz und Naturkork. Wir fanden es bemerkenswert, dass vor allem die großformatigen Füßchen der beiden Trillerklappen und der Dis-Klappe aus Naturkork waren. Hier werden in der unteren Preiskategorie sonst gerne Kunststoffteile verwendet.
Die vorsichtshalber in das Rohr eingeführte Prüflampe brachte keine Deckungsfehler zutage.

              Azumi

Spieltest
Das Spielgefühl unter den Fingern kann als sehr gut bezeichnet werden, man fühlt sich auf der Flöte sofort zu Hause. Alle Griffteile haben die optimale Größe und Lage. Der Federdruck ist relativ weich eingestellt, vor allem für die rechte Hand, was ideal für die kleinen Hände jüngerer Anfänger ist. Aber auch der Fortgeschrittene und der Profi hat keinen Grund zur Klage: In allen Bereichen reagiert die Mechanik leicht und blitzschnell.

                     azumi

Ansprache und Klang
Die exklusiven Kopfstücke von Meister Tanaka sind nicht gerade dafür bekannt, dass sie von selber spielen. Im Gegensatz beispielsweise zu den sehr leicht zu spielenden Sankyo-Köpfen musste man bei seinen Instrumenten den Ton immer deutlich mehr formen um  optimale Ergebnisse zu erzielen. Bei der Azumi-Flöte wurden anscheinend andere Prioritäten gesetzt. Bei einer Anfänger-Flöte ist es durchaus legitim, es den Schülern zu erleichtern, auch mit nicht optimal eingestelltem Ansatz gute Ergebnisse zu erzielen. Dies ist Tanaka mit dem beiliegenden Kopfstück sehr gut gelungen. Es reagiert relativ gutmütig, verzeiht manche Fehler, bietet aber bei gut entwickeltem Ansatz noch erhebliches Potential.
Die Ansprache ist relativ leicht, aber nicht zu leicht. Bewundernswert sind die völlig homogenen Eigenschaften über den gesamten Tonumfang. Weder bei der Ansprache noch bei dem Klang konnten wir Schwächen oder Präferenzen erkennen. Die Azumi „AZ-CE“ geht in der tiefsten Lage ebenso leicht wie in der extremen Höhe. Es ist immer wieder erstaunlich, welch hervorragende Spieleigenschaften Flöten dieser Preisklasse heute bieten können.

Stimmung
Um die 442-Hz Stimmung zu erreichen, für die die Azumi-Flöten konzipiert sind, musste das Kopfstück mit etwa 6 mm  relativ weit ausgezogen werden. Die Stimmung ist sehr ausgewogen, die Flöte hat die typischen Problem-Töne sehr gut im Griff, so dass man sich ganz auf die Musik konzentrieren kann.
Die Sitzung mit dem Stimmgerät wurde bei a=444 Hz wiederholt. Hierfür musste der Kopf etwa 3 mm ausgezogen werden. Auch bei dieser Stimmung lässt sich die Flöte noch recht gut in tune spielen. Erwartungsgemäß bekommt das kurze Cis etwas mehr von der Verkürzung des Rohrs ab und muss nun - wie gewohnt - etwas korrigiert werden. Die 3 mm bieten für noch höhere Stimmungen immer noch reichlich Reserve, allerdings muss dann mit  Einbußen in der In-sich-Stimmung gerechnet werden.
Es kann übrigens nicht oft genug erwähnt werden: Mit ganz eingeschobenem Kopfstück stimmt keine moderne Flöte richtig gut! Wer den Kopf bis zum Anschlag einschiebt und dann meckert, das Cis sei zu hoch, tut den Flötenbauern Unrecht! Die letzten Milimeter sind von allen Herstellern nur als eiserne Reserve konzipiert. Dies hat sich aber immer noch nicht richtig herumgesprochen. Also auch beim Üben und im Unterricht immer den Kopf ein paar Milimeter ausziehen!
Für die  a=440 Hz Stimmung musste der Kopf etwa 8 mm ausgezogen werden. Die In-sich-Stimmung ist bei 440 Hz immer noch recht gut, so dass man mit der Azumi-Flöte für alle Eventualitäten gerüstet ist. 

                   azumi

Zubehör
Wir waren sehr erfreut, dass die Flöte nicht in einer „Plastikdose“ geliefert wird wie andere Instrumente dieser Preiskategorie. Zum Lieferumfang der Flöte gehört ein mit schwarzem Kunst-Leder bezogenes Holz-Etui, das wie ein Etui der Edel-Klasse aussieht. Auch die Innen-Einrichtung macht einen erstklassigen Eindruck. Das mit rotem Plüsch ausgekleidete Etui ist genau nach den Konturen des Instruments gearbeitet. Dazu gibt es einen kunstvoll gedrechselten Wischerstab aus Holz und Putztücher für innen (Gaze) und außen (Mikrofasertuch). Das Zubehör verdient für ein Instrument dieser Preisklasse Bestnoten.

Preis
Die unverbindliche Preisempfehlung liegt mit 820,- EUR über den Preisen sämtlicher gut eingeführter Konkurrenz-Produkte von Pearl, Yamaha, Jupiter, Buffet-Crampon und Trevor James. Es bleibt abzuwarten, ob dieser noch weitgehend unbekannte Flötenhersteller, gegen die großen Konkurrenten - die alle recht gute Qualität bieten -in dem umkämpften Bereich der soliden Schülerflöten, sich einen Platz auf dem Markt erkämpfen kann. Verdient hätte es die Azumi „AZ-CE“. 

PRO
gutes Handling, homogener Klang, leichte Ansprache, gute Intonation, erstklassiges Zubehör
 
CONTRA
Für eine neue und noch völlig unbekannte Marke nicht ganz billig.

                                   Klaus Dapper


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Erstveröffentlichung in  sonic - wood & brass


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