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Übersicht Testberichte                                                                                            Autor 
 
Saxophonbau in Japan & Südamerika  von  Klaus Dapper:
 
das Saxophon  ,  Teil 6 / Dezember .1997
 
Nachdem in den vergangenen Ausgaben die europäischen und die nordamerikanischen Hersteller von Saxophonen ausführlich erwähnt worden sind, geht es diesmal auf die südliche Halbkugel der Welt und nach Japan, bevor die restlichen asiatischen Firmen genannt werden.

Südamerika / Weril 
 
Die meisten Leser werden erstaunt sein, daß auch in Südamerika Saxophonbau betrieben wird. Die in Sao Paulo/Brasilien ansässige Firma Weril wurde 1909 gegründet und ist mittlerweile in der vielen Generation im Instrumentenbau tätig. Neben einem vollständigem Programm an Blech- blasinstrumenten werden Saxophone, Querflöten und Klarinetten gebaut. Auf der  Frankfurter Messe war die Firma schon seit vielen Jahren vertreten, bevor 1993 eine deutsche Firma begann, eine kleine Auswahl von Weril Instrumenten in Deutschland zu vertreiben. Mittlerweile hat der Vertrieb gewechselt, und die Herstellerfirma hat eine neue Modellreihe aufgelegt. Ein ausführlicher Test eines Vorgängermodells (live MUSIC artist 6/95) ergab, daß Weril von der Substanz her (Stimmung, Ansprache, Klang, mechanische Stabilität) ordentliche Instrumente baut, daß die Schwächen in der relativ nachlässigen Verarbeitung liegen.
Die Verarbeitung des neuen Modells ist zwar vom europäischem und japanischem Standard immer noch mit entfernt, allerdings macht es bereits einen merklich besseren Eindruck als der Vorgänger. Die derzeit in Deutschland erhältlichen Instrumente heißen „Weril Master", lieferbar ist ein Altsaxophon Modell A 930 und ein Tenorsaxophon Modell A 970, jeweils in Goldlack, versilbert oder vernickelt. In der Goldlackausführung hat das Altsaxophon, komplett mit Koffer und Rico Royal-Mundstück, einen empfohlenen Verkaufspreis von 1.56O,-DM (Stand November 97); das Tenor kostet 1.665,-DM.

Japan

Der japanische Saxophonbau ist, gemessen an der internationalen Geschichte des Saxophonbaus, relativ jung. Das erste japanische Saxophon erblickte 1954 das Licht der Welt, ein Tenor von Yanagisawa. Nach Europa exportiert werden japanische Saxophone erst seit Ende der 60er Jahre.

Japanische Hersteller waren die ersten unter den "großen" Herstellern, die sich eng an der Bauweise der französischen Selmer-Saxophone orientierten. Bei Selmer in Paris berichtet man, daß sich Anfang der 60er Jahre ungewöhnlich häufig japanische Besuchergruppen für ausgiebige Besichtigung der Werkstätten von Selmer interessierten. Als um 1969 die ersten Yamaha Saxophone auf den Markt kamen, glaubte man sich den Grund für das ungewöhnliche Interesse erklären zu können. Ähnlichkeiten mit dem Styling des  Selmer "Mark 6"-Modells waren unverkennbar. Noch größer war die Ähnlichkeit der in den 70er Jahren von Yanagisawa gebauten Modelle; man darf sie durchaus als „Mk 6"- Kopien bezeichnen. Auch wenn damals noch nicht so schamlos bis in alle Details kopiert wurde wie heute von Taiwanesischen Herstellern, gebührt den Japanern die Ehre, die Begründer der Kunst des „Selmer-Kopierens" zu sein. Übrigens waren es ebenfalls die japanischen Hersteller, die die Verwendung von Kreuzschlitz-Schrauben (zum Beispiel an den Key-Guards) in den Saxophonbau einführten.

Yamaha
 
Der Name Yamaha steht für einen  traditionsreichen Konzern (gegründet 1887), der an verschiedenen Standorten Produktionsfirmen für recht unterschiedliche Produkte besitzt, die zunächst nicht viel miteinander zu tun haben. Durch das gemeinsame mächtige Firmendach sind diese Betriebe allerdings in der Lage, Investitionen zu tätigen und beispielsweise im Bereich Werkzeugmaschinen und computerunterstützter Forschung gemeinsame Möglichkeiten zu nutzen, die sich sonst kaum einer der Einzelbetriebe leisten könnte.

1969 kamen die ersten von Yamaha gebauten Saxophone auf den Markt, die 21er und 61er Modellreihen. Nach umfangreicher weiterer Entwicklungs- arbeit, zu der auch der weltbekannte amerikanische Saxophonist und Autor Dr. Eugene Rousseau beigetragen hatte, wurden sie abgelöst durch drei Modellreihen, von denen zwei auch heute noch aktuell sind.
Die 23er Saxophone, denen man nachsagte, die am besten stimmenden Schüler- instrumente zu sein, die halbprofessionellen 32er Instrumente und die professionelle 62er Reihe. Diese drei Reihen traten rund um die Welt ihren Siegeszug an. In den Punkten Gleichmäßigkeit der Qualität innerhalb der Serie, Leichtigkeit der Ansprache und hervorragende Stimmung  setzten sie neue Maßstäbe, an denen sich seitdem alle anderen Hersteller messen lassen müssen. Einziger Diskussionspunkt war der Sound, der ja bekanntlich Geschmacksache ist.

Bild: Das Yamaha Tenorsaxophon YTS-62 das vor mehr als zwanzig Jahren seinen Siegeszug um die Welt antrat, wird heute noch fast unverändert gebaut.

Für diejenigen, die sich bis dahin mit dem Sound der Yamaha Saxophone nicht richtig anfreunden konnten, gab es 1989 eine angenehme Überraschung:
Yamaha legte eine neue Serie der Luxus-Klasse auf: die Serie Yamaha Custom, von der Alt- ,Tenor- und Sopransaxophone gebaut werden. Das 1989 vorgestellte Altsaxophon gibt es in zwei äußerlich nicht unterscheidbaren Varianten: dem YAS 855 und dem YAS 875. Der Unterschied liegt in einem etwas unterschiedlich geformten Konus, woraus ein etwas unterschiedlicher Sound resultiert. Unser Test (artist 9/90) stellte bei dem 875 einen eher hellen durchdringenden, beim 855 einen etwas bauchigeren Ton fest. Der Prospekt des Herstellers gibt eine gegenteilige Aussage wieder. Also besser selbst antesten !

Das Custom Tenor YTS 875 kam 1991 in den Handel. Gemeinsam ist den Custom Alt- und Tenor- Saxophonen die Verwendung von etwas dickerem
Blech (ca. 0,7 mm statt 0,6 mm) zur Formung der Schallröhre, was zu einem etwas höheren Blaswiderstand und einem etwas fetterem Sound führt. Ebenfalls 1991 kamen zwei neue Yamaha Sopransaxophone mit abnehmbarem Hals auf den Markt: Das YSS 875 und das YSS 675. Im Gegensatz zu den Custom Alt- und Tenorsaxophonen, neben denen die anderen Modelle weitergebaut werden, wurde mit der Vorstellung der neuen Sopransaxophone das alte 62er Sopran eingestellt. Das 875er Sopran wurde der Custom-Serie zugeordnet. Das "normale" YSS 675 ist im wesentlichen baugleich. Unterschiede ergeben sich aus einigen mechanischen Details. Der wichtigste Unterschied ist die Einzel-böckchenmontage bei dem 675er Modell, während beim 875er größere Gruppen von Achsböckchen auf langen Messingstreifen vormontiert sind und die Streifen auf die Schallröhre aufgelötet werden. Bei dem Auflöten einzelner Böckchen oder größerer Blechstreifen ergeben sich unterschiedliche Eigenschaften hinsichtlich Klang und Ansprache . Ansonsten verzichtet man bei dem Custom Modell im Gegensatz zum 675er auf einen Teil der Einstellschrauben, spendiert der Gis-Klappe eine Perlmutt-Einlage und verwendet für die Halsaufnahme einen stabileren Spannring. Das 875 wird mit einem geraden und einem gebogenen Hals geliefert, während das 675 mit nur einem Hals geliefert wird.
Als Zubehör für die Custom Saxophone bietet Yamaha unterschiedlich mensurierte S-Bögen an: vier für das Sopran-Modell, zwei für das Tenor- und einen für das Altsaxophon.

Anfang 1992 wurde das Schülermodell YAS 23 durch das YAS 25 ersetzt. Es verfügt nun endlich auch über eine Hoch-Fis-Klappe und einen zweigliedrigen Oktavdrücker. Die Mechanik entspricht nun auch sonst größtenteils dem 32er Modell, wodurch der Abstand zu den teureren Mitgliedern der Yamaha Saxophonfamilie deutlich kleiner wurde. Dieser Abstand wurde 1995 wieder vergrößert: Alle 32er Modelle (auch das Bariton) erhielten nun ein Goldlack-Finish (früher. Klarlack) und einen verstellbaren Daumenhaken aus Kunststoff Auch bekamen sie - gemeinsam mit dem 62er Modell -  endlich die „Wippe" für die tief-B-Klappe spendiert, ein Standard, der sich bei fast allen anderen Herstellern bereits vor Jahrzehnten durchgesetzt hat. Die neuen Modelle heißen nun 32 E und 62 E.

Das neuste Familienmitglied ist ein neues,
preisgünstiges Sopransaxophon, das YSS 475, das Ende 1996 in den Handel kam. Es entspricht hinsichtlich Body und Mechanik weitestgehend dem YSS 675. Deutlichster Unterschied ist der ungeteilte Body. Weiteres Sparpotential wurde an folgenden Stellen ausgenutzt: Verwendung von Plastikknöpfen anstelle von Perlmutt, Verzicht auf eine Gravur, Verzicht auf einen Facettenschliff an einigen Klappenarmen. Auf ein Goldlack-finish wurde dagegen nicht verzichtet. Zum Vergleich die unverbindliche Preisempfehlung der Yamaha Preisliste (Stand: April 97). YAS 25: 2380,-DM; YAS 32 E: 3090,- DM; YAS 62 E: 3750,-DM; YAS 855 und 875: 5190,-DM. Als Zubehör für die Custom Saxophone bietet Yamaha unterschiedlich mensurierte  S-Bögen an: vier für das Sopranmodell, zwei für das Tenor- und einen für das Altsaxophon.

Bild: Das neue Yamaha Sopran YSS-475 dürfte vor allem für die fast doppelt so teuren Yamaha-Profi-Saxophone zu einer ernsten Konkurrenz werden.
 
 
 

Yanagisawa

Die Yanagisawa Wind Instrument Company wurde im Jahre 1893 gegründet. Mit der Saxophonproduktion begann man 1954. Auf die zunächst gebauten Tenorsaxophone folgten die Altsaxophone im Jahre 1965, Baritonsaxophone 1966, Sopransaxophone 1968. 1972 kam das seltene Sopraninomodell dazu, das als weltweit erstes Sopranino über eine Hoch-e-Klappe verfügte.

Um 1976 tauchten die ersten Yanagisawa Saxophone auf dem deutschen Markt auf. Sie kamen zunächst über eine Londoner Vertriebsfirma nach Deutschland. Seit 1979 baut Yanagisawa Sopransaxophone in Altsax-Form. Während man sich anfangs eng an den entsprechenden Selmer Modellen orientierte, wurde man spätestens in den 80er Jahren selbstbewußter und trat aus dem Schatten des französischen Vorbilds heraus. Beim Klappen-styling entwickelte man neue Ideen, zum Beispiel die hängende Oktavklappe, die doppelten Arme für die tiefen Klappen und die doppelte Kippmechanik für die tiefe H-und B-Klappe.

Seit etwa 1982 gibt es Yanagisawa S-Bögen aus massivem Silber. Mit der Modellreihe „Elimona 880" (seit 1982) drang man endlich auch vom semi-professionellen in den professionellen Bereich vor. 1983nahm ein deutscher Vertrieb Yanagisawa Saxophone in sein Programm und sorgte für Verbreitung und Popularität. 1985 baute Yanagisawa als weltweit erster Hersteller ein zweiteiliges Sopransaxophon mit austauschbarem Hals. Diese Bauweise wurde später von allen großen Herstellern übernommen.


1991 kamen die ersten Instrumente der auch heute noch aktuellen 900er Baureihe, die die gehobenen Schülermodelle der 800er-Reihe ablöste, und die 990er Reihe als Ablösung der 880er Modelle heraus. Auch in dieser Baureihe gab es bei Yanagisawa eine Welt-Premiere: Das neue Yanagisawa Sopran war das erste Sopransaxophon mit einer hoch-g-Klappe. Das frühere Vorbild Selmer Paris folgte in diesem Fall erst zwei Jahre später mit seinem Serie III-Sopran.
 

Nachdem man bei Yanagisawa gute Erfahrungen
mit den silbernen S-Bögen gemacht hatte, wagte man sich an ein Projekt heran, das vorher noch kein anderer Hersteller gewagt hatte: Ein Silberrohr-Modell, bei dem S-Bogen und Hauptrohr (der gerade Rohrabschnitt, mit dem größten Teil der Tonlöcher) aus massivem Silber bestehen. Die ersten „Silberlinge" kamen 1988 auf den Markt. Die edlen Instrumente mit den Modellnummern 8830, später 8833, waren ansonsten mit den 880er Modellen baugleich. Sie wurden in kleiner Stückzahl gebaut und waren noch nicht im Prospekt zu finden. Seit 1993 ist auch die neue Silberrohr-Serie, die vom Bariton bis zum Vollsilber-Sopranino reicht, unter der Modell-Nr. 9930 offiziell im Yanagisawa-Prospekt beschrieben.

Bild: (oben) Deutliches Unterscheidungsmerkmal des Yanagisawa Alto A-900 zur Profi-Serie ist die traditionelle obenliegende Oktavklappe.
(unten) S-Bogen und Korpus des Yanagisawa Tenor T-9930 sind aus massivem Silber

1995 setzte Yanagisawa noch eins drauf: seitdem gibt es für die Tenor und Altsaxophone einen Schallbecher aus massivem Silber, so daß man nun Saxophone mit vollständigem Silberrohr im Programm hat.

Bild: Das erste Vollsilbersopran der Welt: das S-9930, gebaut von Yanagisawa.

Folgende Modelle sind derzeit im lieferbar:
Das Profi-AIt A-990 mit allen mechanischen Features. Die unverbindliche Preisempfehlung  liegt bei 4498,- DM (Stand November 97). Das nur unwesentlich nachstehende Modell A-900 hat zwei Perlmutt-Einlagen weniger, einfache Klappenarme, die übliche einfache Klappmechanik für die Tief-B-Klappe. Der S-Bogen hat eine traditionelle obenliegende Oktavklappe und einige Klappenarme werden von U-förmig gebogenen  Blechstreifen statt Einzelböckchen getragen. Sein Preis liegt bei 3298,-DM. Das Silberkorpus-Modell A-9930, das im Übrigen dem 990er Modell entspricht, liegt bei 7800,-DM. Das Modell  A-9933 mit Messingkorpus und Vollsilber-Schallstück liegt bei 7426,- DM. Für das Modell A-9935 mit Silberkorpus und Silber-Schallstück muß man 9.760,- DM berappen. Die beiden  letztgenannten Modelle sind im aktuellen Katalog nicht erwähnt, aber auf Bestellung jederzeit lieferbar. Die fünf entsprechenden Tenorsaxophone sind die Modelle T-990, T-900, T-9930, T-9933 und T-9935. Beim Bariton gibt es vier Modelle: B-990, B-900 und B-9930, daneben das B-990 B als tief-B-Version. In der Baugröße Sopran bietet Yanagisawa direkt sechs(!) verschiedene Modelle an. Das S-900 ist als einziges in einteiliger Bauweise geblieben. Das immer noch lieferbare S-880 hat einen abnehmbaren Hals und wird mit geradem und leicht gebogenem Hals geliefert. Das S-990 hat im Gegensatz  zu dem vorgenannten einen erweiterten Tonumfang bis hoch-g, ebenso wie das Silberrohr-Sopran S-9930. Schließlich liefert Yanagisawa unter der Bezeichnung SC-900 (C wie "curved") ein gebogenes Sopran in Altsaxform, unter SC-9930 die entsprechende Version mit Silberkorpus und Hoch-G-Klappe.
Weiter im Programm ist das SN-800 Sopranino und das SN-9930 Sopranino mit Silberrohr. Die Messing-Saxophone sind gegen Aufpreis versilbert, schwarz lackiert oder vergoldet lieferbar.
Es lohnt kaum, die Modellnummern jetzt noch auswendig zu lernen, denn nach Auskunft des Importeurs werden aufgrund wesentlicher Verbesserungen in Kürze die Modell-Nummern  geändert.

Für  Sopran bis Bariton gibt es 6 verschiedene S-Bögen in Messing und Silber zum Austausch. Begehrt sind auch die Yanagisawa Mundstücke Kautschuk (runde Kammer) und Metall (eckige Kammer )

Klaus Dapper 

 
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Erstveröffentlichung im Praxismagazin für Bands & Entertainer  " live - MUSIC - artist ".


 
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